News vom 21. Juli 2009

Deutschlands ältester Vespa-Club sitzt in Frankfurt

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Mitglieder schwärmen von goldenen Zeiten in den 50ern: «Vespa-Fahren hält jung»

Frankfurt/Main (ddp-hes). Ein Schwarm Vespas steuert den Riedberg an. Von der Anhöhe hat man einen umfassenden Blick auf Frankfurt und seine Hochhäuser, gerade an einem schönen Sommerabend. Die vollverchromten Vespas glänzen in der tief stehenden Sonne: blau, mintgrün, beige, rot-weiß. Es sind klassische Vespa-Farben. Auch die Roller sind klassische Modelle: Vespa GS 160, Vespa 50, Vespa PX 125. Ihre Besitzer haben sie herausgeputzt: weniger für die kleine Ausfahrt auf den Riedberg, eher für das Sommerfest, das der Vespa-Club Frankfurt im Clubheim feiert. Der 1950 gegründete Club ist der älteste in Deutschland.

Im Gespräch mit den Liebhabern der auf «Vespa» (zu Deutsch: Wespe) getauften italienischen Motorroller wird schnell klar: Wer einmal mit dem Vespa-Fahren angefangen hat, tut das gut und gerne sein ganzes Leben lang. Und: «Vespa-Fahren hält jung.» So sagt es Sommerfest-Gast Werner Krause, der tatsächlich kein bisschen so aussieht, als sei er 74 Jahre alt. Er war dabei, als sich damals der erste deutsche Vespa-Club in Frankfurt gründete, wo zuvor schon die allererste Vespa in Deutschland zugelassen worden war. Im Alter von 16 Jahren sei er erstmals mit dem Roller gefahren. Er lieh ihn von seinem Onkel, immer am Wochenende.

«Wir waren damals mit die Größten», sagt Krause. «Damals gab es noch kaum Autos, da war Rollerfahren noch was.» Zumal in der Kleinstadt Neu-Isenburg bei Frankfurt, wo Krause zum Vespa-Fan heranwuchs. Im Jahr 1956, erinnert sich Krause, sei er mit Freunden aus dem Frankfurter Raum zum europäischen Vespa-Club-Treffen nach München gefahren. Auf der Vespa natürlich. An einem Freitag nach Feierabend hätten sie sich getroffen, die ganze Nacht seien sie durchgefahren.

Bei solchen Geschichten schüttelt der Vorsitzende des Vespa-Clubs, Jochen Haseleu, den Kopf. Der 59-Jährige sagt, die längste Strecke, die er auf seiner Vespa zurückgelegt habe, seien 350 Kilometer gewesen. Entfacht wurde seine Leidenschaft für die Roller mit der Wespentaille in seiner Kindheit, erzählt er. «Als kleiner Junge ging ich sonntags mit meinem Vater immer spazieren. Da sah ich oft Vespafahrer. Ich fand das faszinierend: den Chrom, die Fuchsschwänze, die Farben.»

Mit 16 kaufte Haseleu seine erste Vespa, deren Schaltzug ein Vierteljahr später während einer Fahrt riss. Ein Mann las ihn am Straßenrand auf und brachte ihn samt Roller zu einer Werkstatt. Deren Besitzer warb den jungen Mann für den Vespa-Club Frankfurt an. «An Weihnachten 1966 bin ich in den Club eingetreten», sagt Haseleu mit beinahe verklärtem Gesicht. Heute fährt er unter anderem einen Roller aus dieser Zeit: eine rot-weiß lackierte Vespa VBB 150, Baujahr 1962.

Inzwischen wirbt der Vespa-Club Frankfurt, mit 110 Mitgliedern der weitaus größte der Stadt, verstärkt um Neuzugänge. «Wir haben Nachwuchssorgen», sagt der Vorsitzende. Viele junge Menschen führen zwar Vespa, ließen sich aber schwer an einen Verein anbinden. Dabei profitierten Mitglieder durchaus vom Verein. Denn neben Ausfahrten in größeren Gruppen und der Geselligkeit gibt es immer die sogenannten Benzingespräche, also Fachsimpeleien: «Der eine hat ein Problem, der andere die Lösung», sagt Haseleu. Eine Jugendwartin, es ist Haseleus Vespa-begeisterte 26-jährige Tochter, soll junge Leute an den Club heranführen.

Und so schwelgen sie beim Sommerfest in der Erinnerung an die goldenen Vespa-Zeiten in den 1950er und 1960er Jahren. Horst Müller, 72, hat ein Fotoalbum dabei. Schwarzweiß-Bilder zeigen junge Männer in Anzügen und mit Haartollen auf ihren Rollern auf Landstraßen, vor Eisdielen, im freundschaftlichen Gespräch mit Verkehrspolizisten.

Wolfgang Müller, dessen braungebranntem Gesicht man seine 69 Jahre nicht ansieht, schwärmt: «In jener Zeit war eine Vespa das Traumgerät für junge Männer. Damit konnten wir im Anzug fahren, und so rissen wir die Mädchen auf.» Werner Krause merkt an: «Heute kommt man sich auf der Vespa noch so vor wie früher, aber man hat nichts mehr davon.» Die älteren Männer lachen herzlich.

(ddp)

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